Die Ökologie unserer Auen – Kiesbettfluren und Augebüsche

Teil 1 einer Artikelserie von Dipl. Natw. ETH Rochus Schertler,
zuerst veröffentlicht im ÖNB Infoblatt 2/2008 – zurück zur Einleitung

Saminatal

Samina im Saminatal: wenige Auen-Arten, dafür aber Schwemmlinge und Wasseramsel-Revier
(Foto: Rochus Schertler).

Wo sich entlang unserer Fließgewässer noch intakte Verhältnisse und gesunde Auen finden, können Naturliebhaber bei Spaziergängen und Wanderungen viel entdecken: eine bemerkenswerte Vielfalt an Pflanzenarten bildet hier die Lebensgrundlage für eine große Insekten- und Kleintierschar. Diese wiederum stellt die Basis für das Vorkommen spezialisierter Vögel und Kleinsäuger dar. Weil sich auf engem Raum unterschiedlichste ökologische Nischen finden, ist entlang unserer Fließgewässer viel los.

Beim Blick in das Lehrbuch scheint die Sache sehr klar: Auenlandschaft setzt sich aus einer charakteristischen Abfolge von Pflanzengemeinschaften zusammen. Wenn man sich vom Wasser gegen das Land hin bewegt, findet man entlang von Gebirgsflüssen zunächst Kiesbettfluren, charakteristische Auengebüsche und weiter landwärts die Gehölze der Weichen Au. Bereits recht weit vom Wasser weg und weniger als die vorgenannten von Hochwasser beeinflusst stocken Wälder der so genannten Harten Au.

In der Realität sind lehrbuchmäßige Verhältnisse aber selten. Welche Pflanzen sich in Gemeinschaft mit anderen Arten in diesen ineinander übergehenden Zonen ansiedeln, hängt von verschiedenen Faktoren ab – im Allgemeinen entscheidet aber neben der Seehöhe der mineralische Untergrund, der Wasserhaushalt und vor allem die Dauer von Perioden zwischen Hochwasser-Ereignissen darüber, was für Arten sich ansiedeln. Unter natürlichen Verhältnissen verändert ein Fluss durch Prozesse der Gewässerdynamik ständig seinen Lauf. Durch langsame Erosion oder Hochwasser werden bestockte Uferbereiche unterspült, an- oder weggerissen, Steine, Schotter, Kies und Sand verlagert und auf diese Weise ständig neue Pionierstandorte geschaffen, die von spezialisierten Gewächsen und Tieren besiedelt werden können.

Das Bett von Fließgewässern der Vorarlberger Hochlagen wird von groben Steinen und Totholz gebildet. Schnell fließendes, kaltes Wasser bedingt ständige, starke Erosion und transportiert bei den häufig stattfindenden Hochwässern viel Geschiebe. Das Bachbett selbst weist nur an ruhigeren und geschützten Stellen Bewuchs von höheren Pflanzen auf. So finden sich hier neben dem Bitteren Schaumkraut und der Bachbunge als typische Uferpflanzen meist verschiedene Pestwurz-Arten mit ihren großen, als Hut verwendbaren Blättern neben anderen Hochstauden.
Augebüsche in dieser Seehöhe werden von der Grau-, Lavendel- und der Bäumchenweide eingenommen. An sehr wenigen Stellen im Osten Vorarlbergs findet man als botanische Seltenheit ersten Ranges die vollkommen geschützte Blauweide (Salix caesia). Im Gemeindegebiet von Lech gibt es einen besonders schönen Bestand dieser alpenweit höchst seltenen Pflanzenart.
Die meisten Gebirgsbäche sind aber recht schmal, so dass Arten aus dem Umland sich dieser Spezial-Lebensräume „annehmen“. An den dynamischen Übergängen zwischen der aquatischen und terrestrischen Welt sind in dieser Höhenlage recht wenige Spezialisten zu beobachten.

Wasseramsel

Wasseramsel, charakteristischer Vogel der Fließgewässer in Vorarlberg
(Foto: Gerd Rossen)

Besonders bekannt als „Mittlerin zwischen den Welten“ an unseren Gebirgsbächen ist aber die Wasseramsel. Dieser interessante Vogel verbringt viel Zeit seines Lebens unter Wasser und taucht auf der Suche nach Bachflohkrebsen, Eintagsfliegenlarven usw oft minutenlang im eiskalten Nass. Dabei setzt sie geschickt auch ihre
Flügel ein und „fliegt“ sogar unter Wasser.
Manchmal schon im Februar kann man den Gesang dieses charakteristischen Vogels bei der Balz aus dem Bachbett heraus hören. Danach geht es zum Nestbau, das immer an geschützter Stelle in Gewässernähe in Kugelform aus Moos gebaut wird. Dieser Höhlen-Bautyp hat den Vorteil, dass Spritzwasser die Nestlinge nicht auskühlen kann, wenn beide Eltern auf Futtersuche sind.

Weiter zu Teil 2

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